Handy und Schlüssel liegen griffsbereit irgendwo in der Mittelkonsole, eine Wasserflasche auf dem Beifahrersitz, der Schirm im Fußraum im Fond. Das ist ganz normaler Außendienstalltag. Deshalb macht man sich prinzipiell auch keine Gedanken darüber, was passieren könnte. Allzu oft hat man schon gebremst, ohne dass einer dieser Gegenstände mit dramatischen Folgen im Auto rumgeflogen wäre.

Gefahren lauern überall

Bei Koffern, Warenproben, Prospektordnern oder kleineren Bauteilen, die im Gepäckabteil verstaut werden, liegt der Gedanke an eine fachgerechte Sicherung schon etwas näher. Doch mal Hand aufs Herz – wer nimmt sich wirklich immer die Zeit dafür? Dabei lauert an all diesen Stellen eine Gefahr, deren Auswirkungen niemand wirklich kennenlernen möchte. Laut ADAC kann schon ein herkömmlicher Regenschirm bei einem Auffahrunfall mit Tempo 50 unter Umständen zu einem 30 Kilogramm schweren Geschoss werden. Ungesicherte Kleinteile können bei einer entsprechenden Beschleunigung bis zum 50-Fachen ihres Eigengewichts entwickeln. Demenstprechend genügt schon eine verkehrsbedingte Vollbremsung, um das Risiko einer Verletzung für Fahrer oder Beifahrer deutlich zu erhöhen. Bereits die Vorstellung von einem fliegenden Telefon getroffen zu werden, ist schlimm. Schlimmer aber noch ist das Szenario, dass ich nach einem Ausweichmanöver eine Flasche unter den Pedalen verklemmt und es dadurch zu einem Crash kommt. Klingt alles unwahrscheinlich, ist alleridngs schon passiert. Verletzungen des Mitarbeiters oder eines Unfallbeteiligten sind dann das eine. Das andere sind die eventuell entstehenden Ausfallzeiten, die weder für den Betroffenen selbst noch für die Kollegen erfreulich sind. Auch die möglichen Kosten sollten bedacht werden: Es drohen Bußgelder von bis zu 10.000 Euro, wenn der gewerbliche Fuhrpark für den Transport von ungesicherten Gütern genutzt wird.

Wer kommt für mögliche Schäden auf?

Stellt sich nach dem Schaden heraus, dass der verletzte Mitarbeiter Ladung in einem dafür nicht geeigneten Fahrzeug auf Weisung seines Arbeitgebers transportiert hat oder dass keine Einweisung in das Fahrzeug und die korrekte Verwendung von Ladungssicherungsvorrichtungen erfolgt ist (BGV 29 – berufsgenossenschaftliche Vorschrift für Fahrzeuge), kommt zunächst die Berufsgenossenschaft (BG) für den eingetretenen Personenschaden auf. „Der Anspruch des Mitarbeiters gegen den Arbeitgeber beschränkt sich nur auf eigene Sachschäden“, sagt Rechtsanwältin Katja Löhr-Müller. Sie macht aber deutlich, dass die rechtlichen Folgen nicht unerheblich sind. So können die Berufsgenossenschaften beim Arbeitgeber Regress geltend machen, wenn der Schaden auf grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen ist. Dies ist unter anderem der Fall, wenn der Arbeitnehmer nicht ausreichend unterwiesen wurde, auf was bei der Ladungssicherung im Pkw zu achten und wie sie durchzuführen ist. Wurde der Fuhrparkleiter mit der Unterweisung beauftragt, können die Forderungen für die Schadenfolgen ihn möglicherwiese sogar direkt treffen. Allerdings kann auch der Fahrer selbst in die Pflicht genommen werden, wenn ihm ungenügende Sorgfalt beim Verstauen von Kisten, Taschen und Kleinkram nachzuweisen ist.

Große Auswahl an Transport- und Ladungszubehör erhältlich

Damit es gar nicht erst zu solchen Szenarien kommt, spielt bei den Herstellern das Thema Ladungssicherung bei der Betreuung von Flottenkunden eine wichtige Rolle. „Wir bieten unseren Kunden Fahrzeuge, die seit jeher für höchste Sicherheit stehen und – beispielsweise bei der Mercedes-Benz C-Klasse – bereits serienmäßig über umfangreiche Ausstattung im Hinblick aus Laderaumabsicherung verfügen. Darüber hinaus ist eine große Auswahl an Transport- und Ladungszubehör erhältlich, die für die Sicherheit von Insassen und anderen Verkehrsteilnehmern sorgt. Unser Orginal-Zubehör kann sowohl direkt ab Werk als auch später – je nach Bedarf – bestellt werden“, sagt der Leiter des Mercedes-Flottenmangements. Für Frank Kemmerer ist selbstverständlich, dass die Kunden beim Händler vor Ort ihren Mobilitätsanforderungen entsprechend individuell beraten werden.

Auf die Ausstattung der Autos achten

Zur Beratung gehört bei Opel das Angebot, die jährlich fällige UVV-Prüfung für gewerbliche Fuhrparks durchführen zu lassen. „Der Fahrzeughalter, das Management und der Fuhrparkleiter eines jeden Unternehmens haben gesetzliche Vorgaben zur Sicherheit und Unfallverhütung zu erfüllen. Aber beim Verkauf von Fahrzeugen sind auch die Opel-Händler in der Pflicht, eine bedarfsgerechte Beratung für jeden gewerblichen Verwendungszweck zu leisten“, unterstreicht Wolfgang Stahl, Direktor Groß- und Gewerbekunden, die Notwendigkeit, schon bei der Anschaffung auf eine entsprechende Ausstattung der Fahrzeuge zu achten.

Gesetzliche Vorschriften erfüllen

Um die gesetzliche Vorschrift (§57 DGUV70) bei gewerblich genutzten Fahrzeugen zu erfüllen, setzt unter anderem Skoda nicht nur auf eine umfassende Information seiner Händler, sondern auch auf eine entsprechende Ausstattung der Modelle. So gehört beispielsweise beim Kodiaq ein geschlossenes Ablagefach ebenso zum Lieferungsumfang ab Werk wie die Mittelarmlehne mit Stauraum unter einem Deckel oder die herausziehbare Schublade unter den Vordersitzen. In die Fächer in den Türverkleidungen passen vorne 1,5-Liter-Flaschen, hinten sind es immerhin noch Literflaschen. Kleiderhaken, vorgegebene Verstaumöglichkeit für die Warnwesten, Becherhalter oder ein Brillenfach machen es ebenfalls leicht, Ordnung an Board zu halten. Bereits ab dem zweiten Austattungsniveau Ambition nimmt eiin Ablagenetz auf der Beifahrerseite der Mittelkonsole kleinere Gegebstände auf. Zu den serienmäßig im Kofferraum verbauten Verzurrösen gehören bei Ambition außer Cargoelementen und einem variablen Befestigungskonzept auch Netze zum sichern am Boden sowie Ablagefächer hinter den Radhauskästen im Kofferraum. Ein Fach für den Regenschirm in den vorderen Türen, der Eiskratzer in der Tankklappe oder die abnehmbare LED-Akku-Taschenlampe im Kofferraum sind die Kür zur Pflicht. Zu der passt, um es perfekt zu machen, noch eine Gepäcktrennwand. Die muss jedoch für 180 Euro extra bestellt werden.

Zertifizierte Befestigungspunkte

Das Trennnetz oder ein Sicherheitstrenngitter allein nützt aber nichts ohne die entsprechende Befestigung. Im Ford Focus Turnier sind deshlab Befestigungspunkte hinter der zweiten Sitzreihe vorgesehen. Soll die Trennung zwischen Passagierabteil und Laderaum bereits hinter Fahrer und Beifahrer möglich sein, muss schon bei der Bestellung ein Kreuz an der entsprechenden Stelle gemacht werden. 50 Euro zusätzliches Invest dürfte für den Fall der Fälle sicherlich kein Grund sein, darauf zu verzichten. Der Kölner Hersteller weist in diesem Zusammenhang eigens darauf hin, dass dieses Extra gemäß ISO 27955 zertifiziert ist.

Norm zur Ladungssicherung

Diese Norm für Einrichtungen zur ladungssicherung kommt bei gewerblich genutzten Fahrzeugen immer dann zum Tragen, wenn die Sitze unmittelbar an den Laderaum angrenzen. Der Gesetzgeber hat Anforderungen an die Festigkeit der Rücklehne der Rücksitze, an die Trenneinrichtungen und an die Zurrpunkte gestellt, die erfüllt werden müssen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Bei den ab Werk mitgelieferten Trennnetzen im Audi A4, im 3er BMW, in der C-Klasse von Mercedes oder im VW Passat wird diese Vorschrift stillschweigend erfüllt. Hyundai weist hingegen in den Unterlagen eigens aus, dass ein Iso-zertifiziertes Trennnetz als Zubehör bestellbar wäre.

Angebote von Fahrzeugeinrichtern

Alternativ zum Angebot der Hersteller macht unter Umständen auch ein Blick auf das Lieferangebot von Fahrzeugeinrichtern Sinn, um sicheren Stauraum an Board zu kreieren. Sortimo bietet beispielsweise eine Art mobilen Schreibtischersatz namens Automanager (595 Euro) an. Mit dem Sicherheitsgurt auf dem Beifahrersitz verzurrt, kann die Box mit Laptop, Aktenordnern und Schreibtischutensilien bestückt werden. Selbst ein kleiner Reisedrucker passt hinein, wenn das Gesamtgewicht des Koffers nicht über zwölf Kilogramm geht. Klappt man den Deckel auf, lässt sich ein kleiner Tisch seitlich ausschwenken, auf dem der Computer über Fixierfüße rutschfest abgestellt werden kann. Für die Stromversorgung ist ein Spannungsumwandler intergriert, der über den 12-V-Stromanschluss des Zigarettenanzünders angeschlossen wird.

von Sabine Neumann

Foto: Claudia Becker

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